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12.01.2011

Lyrik hinterm Rauschebart

Shame on me! Schon im April 2010 veröffentlichte der Berliner Singer/Songwriter und "Radikalchansonnier" Hans Unstern sein Debütalbum "Kratz dich raus" und erst jetzt kommt es mir zwischen die Ohren. Endlich! Die Spex nennt es ganz unverblümt "eines der wichtigsten deutschsprachigen Alben 2010". Unsterns kaum zu erkennendes Gesicht, es ist verdeckt von einem dunklen Rauschebart und umringt von schwarzen, zerzausten Haaren, verbirgt eine unerwartet jungenhafte Stimme, die sehr sprachgewaltig ein unruhiges Herz und einen poetischen Geist offenbart. Ich meine: ein merkwürdiges, etwas verqueeres Werk mit sehr lyrischen Texten: "Wann lerne ich, dass ich den Moment nicht festhalten kann?/ Wann? Wann? Wann? Nie! Wann?/ Wann lernt der Moment, dass er mich nicht zurueckholen kann?/" - diese Zeilen sind immer untermalt von markant kratzig-rohem Sound von Akustikgitarre, Schlagzeug, Saxophon, Klavier und manchmal auch von Streichern und Mundharmonika begleitet. Fazit: Absolut Hörenswert und fesselnd. Den Song "Paris" von Hans Unstern gibt es als kostenlosen Download und die wien(berli)ner Band Ja, Panik hat einen Cover-Song eingespielt. Ach Leute, ich bin zutiefst entzückt!
 

03.01.2011

Phänomen Flaneur

"Verwischte der Flaneur der ersten Stunde noch seine Spuren in der Großstadtmenge, so muss es dem heute flanierenden Geist gelingen, sein Ich und all seine Leidenschaften an einer irrsinnigen Informations- und Überwachungsmaschinerie vorbei zu schleusen, aus der selten jemand nicht als fester und abgeschlossener Charakter, also als lebender Toter, wieder herauskommt."
Unter der Überschrift "Vom Überleben in der Metropole" meditiert Andreas Spechtl sehr klug über Das Flanieren als Lebens-, Denk- und Liebesform und gibt sich als neugieriger Spaziergänger in einer ihn immer wieder verschluckenden, aber auch inspirierenden Grossstadt zu erkennen.
"Der Flaneur jedoch kann unter bestimmten Umständen, in gewissen Konstellationen, für jeden und alles Liebe empfinden. Er ist der einzig wahre Liebende in den letzten Tagen dieser alten Welt und allein er kann in ihr noch Liebe erfahren."
"Flaneure aller Metropolen vereinigt Euch!" Möchte ich da lautstark rufen. Aber ach, das lasse ich dann mal und tauche lieber wieder ein in die faszinierende Anonymität der Grossstadt.

02.01.2011

Es bleibt, wie es ist

Mit der Vorstellung des schönsten (Fakt!) und wichtigsten (Jawohl!) deutschen Indiealbums 2010 will ich das neue Jahr auf meinem Blog begrüssen. Es heisst "Songs of L. and Hate" und ist von Christiane Rösinger. Rösinger war schon bei den legendären Bands Lassie Singers und Britta mit dabei  und hat nun ein wunderschönes Plattenwerk, mit Texten über die unterschiedlichen Aggregatzustände der Liebe, der Leidenschaft und des Scheiterns vorgelegt. Für die Musik war Andreas Spechtl zuständig, er ist der Bandleader und Enfant Terrible der Band Ja,Panik. Kaufen! Anhören!Weitersagen!
Albumkritik @Rote Raupe
  Berlin by Chrsitiane Rösinger

Angeregt vom Hören dieses Albums, mein kurzes Essay für das neue Jahr: nun ja, ich dachte, das Leben ist ein Fest und mir gehört die Welt. Aber das Gefühl der Desillusion hat mich eineinhalb Tage nach Silvester wieder fest im Griff und (Überraschung!) ich habe auch für 2011 kein verheissungsvolles Motto finden können. Es sollte erst "Neue Chancen" heissen, das fand ich dann aber doch unpassend, weil politisch besetzt und bestimmt auch die FDP bald mit diesem Slogan um Gewinnung verlorener Wählergunst betteln wird. Es wird nicht reichen! Die Grundfragen des Lebens bleiben indes ungeklärt und es wäre sinnlos sich das Leben schön zu reden. Die Krise ist da - im privaten, wie im öffentlichen Leben. Wir sind verloren und es ist so arg und es ist so schlimm, dass es nur irgendwie darauf ankommt einen Ausweg zu finden, Hauptsache raus!

15.03.2010

Das Wort zum Montag

Die von mir sehr geschätzte Band Ja,Panik macht laute Indie-Popmusik mit politischem Sub-Text und versucht über Dinge zu sprechen und zu singen, die nicht ganz einfach sind, aber durchaus erwähnenswert. Für den "durchschnittlichen kaukasische Jammerlappen", wie mich, ein willkommener Moment zur Selbstbetrachtung. Grossartig! Alles hin, hin, hin